Uwe Lammla / Orlagau 

 

 

 



UWE LAMMLA




ORLAGAU

Tannhäuserland. Erstes Buch
Mit Zeichnungen von Iryna Lierheimer















 
QUARTUS

 



 









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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet
diese Publikation in der Deutschen
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ISBN 978-3-936455-73-1
© 2009 Quartus-Verlag Jena
www.quartus-verlag.de

Alle Rechte beim Autor
www.lammla.de

Tuschezeichnungen und Einband-Aquarell
von Iryna Lierheimer
www.iras-aquarelle.de

8,50 EUR
 

 



INHALT
Das feste Haus zu Weida
Rodaborn
Auma
Ottmannsdorf
Orlagau
Triptiser Wappen
Traun
Moßbach
Knapp-Mühle Linda
Holunder
Steinbrücken
Hain
Zwei Wälder
Obstgarten
Birnbaum
Pfirsich
Zwetschge
Quitte
Jonathan
Lederrenette
Williams Christ
Conference
Nova Villa
Körnerlinde
Spielverderber
Wer rechtet mit Gott
Familie
Qilin
Heimatdichter
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Eulenspiegel
Pommerleede
Bismarckturm
Stanau
Fröhliche Wiederkunft
Meusebacher Sühnekreuz
Hummelshain
Freienorla
Schimmersburg
Rittergut Positz
Im Rehmer Moor
Pößnecker Luftschiffer
Brandenstein
Castrum Ranis
Ilsensage
Döbritzer Höhlen
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TANNHÄUSERLAND

ERSTES BUCH



»Wu das regiment vorkart yst
und vorborgner neyt yst
und wo der gemein notz nit raum hat
dise drey zerbrechen eyn feste stat.«


 
GIEBELSPRUCH
AM PÖSSNECKER RATHAUS

 

 

 

9
 


DAS FESTE HAUS ZU WEIDA
Wenn Lindengrün
Und Finkenschlag
Die Vögte kühn
Und hell den Tag
Begrüßen, steht
In unsrer Hand
Ein Dankgebet
Im Osterland.

Vor seinem Wall
Der Heide zagt,
Drum meid Verfall,
Ehr den, der wagt,
Sing wach und frisch
Im Fall des Taus
Um unsern Tisch
Das feste Haus.

Die Aue sing
Mit Mohn und Flachs,
Der Tafel fing
Der Fischer Lachs,
Und Wein wird Heim
Dem Ritterstand,
Und dein der Reim
Im Osterland.
 

 

10
 
Der Feind ist nah,
Doch Sorge fern,
Die unsern sah
Ein guter Stern,
Wird Schmach und Spott
Nicht Dach noch Klaus,
Ist unser Gott
Das feste Haus.

Gilt unsre Schau
Nicht goldnem Kalb,
Wird Brot nicht grau
Noch Wasser falb,
Wir sind bewehrt,
Und nicht auf Sand
Ruht unser Herd
Im Osterland.

Sind Treu und Lehn
Zerspellt im Land,
Daß unser Flehn
Kein Horn mehr fand,
Und weiß im Joch
Nicht ein noch aus,
Steht immer noch
Das feste Haus.
 

 

11
 


RODABORN
Lerchenweg von Pöllnitz her,
Sprudel, den man spät benamt,
Wer da wirft den Neuzeit-Speer,
Allzugern im frühsten kramt,
Wer die Trasse steinern spannt
Von Berlin nach München schnell,
Netzt die Lippe und die Hand
Zwischendurch am Rodaquell.

Die durch Tälerdörfer lenkt
Holzlandgrüß den Orlaaun,
Muß, eh sie den Jenzig denkt,
Sich der Saale anvertraun,
Die Zisterze ufernd früh,
War dem Lobdeburger Sporn
Grabstatt, daß sie wachs und blüh,
Gab die Flut aus Rodaborn.

Bald war Roda dort zur Stadt,
Mit der Bahn im Namen auch,
Gassen eng und Kanten hat
Viel die Maid am Sandsteinbauch,
Kühle Keller leicht gekratzt,
Drein man Wein und Butter stell,
Hat den Epigon beschatzt
Das Geschürf vom Rodaquell.
 

 

12
 
Aber hie, wos Sprudeln klein,
Wars dem Menschen lang zu karg,
Erst der Motor im Verein
Mit der Baulust Nutzen barg,
Daß man Schweiß vom Auge wisch,
Eh es späh erneut nach vorn,
Lockt mit Brücke, Stuhl und Tisch
Hier das Rasthaus Rodaborn.

Lang wars schlicht und bieder auch,
Grad die gute alte Zeit,
Doch das flinkere Gefauch
Nahm auch ihm die Heimlichkeit,
Da die Spurzahl ging zur sechs,
Wich nicht nur die Buckelschwell,
Auch ein geisterndes Gewächs
Ward das Haus am Rodaquell.

War es einst Triumph-Symbol
Für Gestaltung, Arbeit, Raum,
Ist nun Schwamm und Käfern wohl
Und bemerkt wirds Modern kaum,
Das Geras ist viel zu dicht,
Das Getrieb der nackte Zorn,
Selbst bei Stau bemerkt man nicht
Den Verfall von Rodaborn.
 

 

13
 


AUMA
Von Linda, nah den Plothner Teichen, rinnt
Ein Lied, das nach dem Osterlande will,
Der Name klingt nach Spring und nach April,
Der Lauf trennt vom Südost das Orlakind.

Hier sagt sich eine große Scheide still,
Die Auma Weida, so die Elster findt,
So hält der Born vom Saalischen Gesind
Sich abseits und behauptet diese Grill.

Und darf der Gau mal wieder eigen stehn,
So muß die Stimme, die im Wasser spricht,
Voran und als des Rechtes Weiser gehn.

Denn in der Waag des Schöpfers ists Gewicht
Zuerst bei Meeren, Flüssen, Bächen, Seen,
Und dieser Weisheit widersetz dich nicht.
 

 

14
 


OTTMANNSDORF
Such Hof und Garten Mühlenbäckers
Am Weg nach Hasla, wüst ist längst
Das Schwippendorf, des Bucheneckers
Septembergruß du gern empfängst.

Am rechten Rand am Mühlstau oben,
Ein Steinwurf weit vom Ufersaum,
Findst du ein Mal, den Herrn zu loben,
Gemeißelt über Nacht und Traum.

Vom Kreuzstein heißts, es hab bekehret
Ein Mönch ein Sorbenmädel zart,
Und Mord habs Weitertun gewehret,
Weils ungemäß der Sorbenart.

Zwar die Geschichte wird bestritten
Durch Märn von spätrer Freveltat,
Doch sicher scheint, es ward erlitten
Ein Widertun dem Himmelsrat.

So sollt der Stein zur Einkehr taugen,
Denn mag der Weg auch dunkel sein,
Es leuchten warm des Heilands Augen
Trittst du in solche Kreise ein.
 

 

15
 


ORLAGAU
Glimmerschiefer, Wackersteine,
Grenzen dich im Süden ein,
Buntsandplatte im Vereine
Mit Gegrab von Muschelstein,
Fällt im Nord in leichter Neigung,
Die die Mulde lieblich faßt,
Mancher Riff mit schroffer Steigung
Heimelt als Korallenquast.

Sprudelgeist mit hoher Stimme,
Traut der Orla man nicht zu,
Daß sie zäh die Schichten klimme
Und die Au ins Bergland tu,
Doch mag sein, die Saale knickte
Früher Zeit ein steifres Knie,
Bis ein Sporn den Zufluß flickte
Und den Trog der Schwester lieh.

Von der Stadt der Porzellane
Triptis halt auf Gütterlitz,
Eh der Teufelsberg dich mahne,
Quillt der Aue Kronbesitz,
Neustadt läßt dich westwärts rudern
Oppurg schenkt Rumorenmut,
Nahe Langendembach hudern
Zwergrohrdommeln ihre Brut.
 

 

16
 
In der Au der stolzen Ritter
Herrschte der Arnshaugker Stärk,
Daß sich das Geschlecht zersplitter,
Leuchtenburg und Elsterberg,
Lobdeburg und Burgau danken,
Deren Schatten Städte hält,
Bis der Sachse folgt dem Franken
Und der Gau an Meißen fällt.

Keinem soll da Schlimmes schwanen,
Das ihn schindet oder schaßt,
Wechseln Weiser, Reif und Fahnen,
Steht die deutsche Lust und Last,
Manche Rauten, manche Greife
Warn in pago Orlan froh,
Das Gebirge blieb die Schleife
Um das süße Oster-O.

Cranach malt Altares Flügel,
Luther flucht dem Ablaßwahn,
Goethes Kutscher zog die Zügel,
Daß er einkehr in den Schwan,
Deutschem Treiben stets verbunden
War der Gau, der Finken liebt,
Hat der Schwede auch geschunden,
Heimatlich der Sperling fiept.

Froher Mut ist hier die Regel,
Burschen wandern durch das Land,
Stieg in Fahr der Orlapegel,
Füllt sich jeder Sack mit Sand,
 

 

17
 
Ist die Obrigkeit geduldig,
Und dem Neid wird nirgends Schaum,
Bleibt nicht einen Nickel schuldig,
Was Gemeinnutz bietet Raum.

Erst als Großraum hieß die Mode
Ward auch dieser Gau Provinz,
Fern dem Haine, fern der Rode,
Blieben Kaiser, Fürst und Prinz,
Erst die Vögte, dann Beamte,
Schließlich, was Investor heißt,
Was der Erde nicht entstammte,
Nahm ihr Reichtum, Sinn und Geist.

Heute stehn die Herrn in Brüssel,
Und von Ziffern strotzt ihr Hirn,
Wie ein Elefantenrüssel
Saugt, das Landkind zu verwirrn,
Es den Rahm von unsern Kühen,
Bringt dafür uns viel Papier,
Besser wärs, die Tagesmühen
Wären feil den Leuten hier.

Unser Teil ist, dies zu ändern,
Und die Muster sind schon alt,
Denn der Schöpfer gab den Ländern
Ihre Form und Wohlgestalt,
Wenn bedacht von Schieferschindel
Ist die Stube, die uns lenkt,
Dann regiert das Orlakindel,
Das wie Landeskinder denkt.
 

 

 

 

19
 


TRIPTISER WAPPEN
Triptis trägt ein Bild im Schilde,
Wie ich schöner keines sah,
Farb und Gesten stimmen milde,
Anmut spricht, was hier geschah,
Die Geschwister, in Parteien,
Welfisch hier und staufisch dort,
Suchen Heimkehr und Verzeihen
Und begnaden so den Ort.

Philipps Reichsschwert war das echte,
Doch der Krönung fehlts an Weih,
Weil der Bischof nicht der rechte
Und der Ort der falsche sei,
Um vor Gott gekrönt zu gelten,
Sei der Würden keine halb,
Denn der Gläubige muß schelten,
Gilt als Stier ein goldnes Kalb.

Also war das Reich gespalten,
Bis ein eitler Geck im Wahn,
Eh der Truchseß ihn gehalten,
Konnt Philipp in Mordlust nahn,
Doch der Zwietracht folgte Frieden,
Da von Braunschweig frevelfrei,
Das Verhängnis hat entschieden,
Wer der deutsche König sei.
 

 

20
 
Dietrich, Adela von Meißen,
Er im Dienst des Staufers stand,
Sie, des Böhmers Frau geheißen,
Der dem Welfen war zur Hand,
Unter einer Friedenseiche
Reicht er den Versöhnungstrank,
Daß der Ritterstand im Reiche
Länger nicht an Feme krank.

Mann und Frau im Baumesschatten,
Mahnt dich an das Paradies,
Wo sie falsche Wünsche hatten
Und der Herr sie draus verstieß,
Doch die Richtung ist gewandelt,
Er reicht ihr die Köstlichkeit,
Wo er ganz bescheiden handelt,
Stammen Gurts im Jägerkleid.

Sie trägt hell die goldne Krone,
Weißen Schleier bis zum Grund,
Er bezeugt uns, daß er frone,
Wie der Kelch dem neuen Bund,
Nur das Schwert ist seine Zierde
Hochmut bleib dem Streiter fern,
Frei von Herrschsucht und Begierde
Zeigt er Demut vor dem Herrn.

Drüber sind zum Kreuz die Äste
Ausgestreckt in Huld und Haft,
Wo die zwei Geschwister Gäste,
Habens Rom und Wald geschafft,
 

 

21
 
Wie da ein Geschlecht das andre,
Treffen Odin sich und Christ,
Daß durchs Bild das Urbild wandre,
Weil der Gott derselbe ist.

Also ist dies nicht nur Zeichen
Für Geschwister, Dynastien,
Denn zum Segen frommts den Reichen,
Daß der Mann dem Weibe dien,
Daß sie züchtig und verhalten,
Hüterin in Baumes Hut,
Läßt die frohen Kräfte walten
Und macht Fehl und Vorwitz gut.
 

 

22
 


TRAUN
Bahnhof an der Kreuzung schlicht,
Weg zu Weiler, Öd, Kapell,
Brennt im Wärterhäusel Licht,
Wirds im Herzen warm und hell.

Pilz im Korb, im Sacke Kohl,
Und auch mal die Gans im Netz,
War der Bäurin Drittklass wohl
Und des Kaisers Bahngesetz.

Doch seit auch die kleinste Tour
Lechzt nach Diesel und Benzin,
Hüpfen hier die Spatzen nur
Vor mir auf der banken Schien.

Dieser Weiser ist mir recht,
Froh die Hügel anzuschaun,
Wo Gebälk und Ziegel echt,
Birgt die Stunde Gottvertraun.
 

 

23
 


MOSSBACH
Kommst ins Land der tausend Teiche,
Nimm im Deutschen Hof Quartier,
Hier ist das Gebälk von Eiche,
Thüringsch Karpfen mundet dir.

Moßbach, da der Bach sich moosig
Schmückt, das Aug erfreuen kann,
Zwar dem Bahnhof gehts nicht rosig,
Doch es dampft hier ab und an.

Noch gibts Rat und Bürgermeister
Und Vereine hiesger Leut,
Hör vom Stolze, Weitgereister,
Wagners Schmiede gibts noch heut.

Hier läßt man den Mut nicht sinken,
Hofft nicht auf den Millionär,
Denn die Händ, die wieselflinken,
Rufen uns den Segen her.

Sieh die Schul, den Kindergarten,
Fachwerk, das gefirnißt grüßt,
Wer da tut, hat gute Karten,
Daß der Herr die Butter süßt.

Wo die Karpfen sich behäbig
Mästen unterm Sonnenschein,
Kann der Brunnenplatz nicht schäbig
Und der Glaub nicht Kleinmut sein.
 

 

24
 


KNAPP-MÜHLE LINDA
Wo das Oberland beginnt
Südlich hinterm Orlagau,
Steht der Mühlenturm im Wind,
Der sich hüllt in Schieferblau.

Frisch geschmiert, herausgeputzt,
Holländer mit Galerie,
Wer den Wolkenjäger nutzt,
Kennt die alte Melodie,

Die vom Müller weiß, der werkt
Nah an Gottes offner Hand,
Not verbannt und Söhne stärkt
Jeder Stadt und allem Land.

Wenn sich Mühlenflügel drehn,
Hat der Teufel wenig Glück,
Erst wenn Stein und Räder stehn,
Kommt der böse Geist zurück.

Und er spricht: Reiß alles ein,
Sich zu mühn ist unmodern,
Doch bei Linda trügt kein Schein,
Daß wir schaffen frei und gern.
 

 

25
 


HOLUNDER
Holundersaft, Holundersekt,
Arom und Born, der Tote weckt,
Am Wege zwischen Hain und Hiel
Bist dus, der Nas und Gaumen schmeckt.

Dein Name raunt vom Liebesspiel,
Du bist der wahre Selsebil,
Der Schirm aus weißem Taumelblust
Umdoldet und verspricht mir viel.

Braun-graue Borke hüllt die Lust,
Das Mark im Zweig macht mir bewußt
Wie auch die Frucht, die überhängt,
Daß ich verfalln Holunderblust.

O Wandrer, den der Juni fängt,
Das Herz mit seinem Harm versengt,
Ein Engel ist im Busch versteckt,
Der Äther in die Säfte mengt.
 

 

 

 

27
 


STEINBRÜCKEN
Von Kleina an dem Weg ins Tal
Steinbrücken liegt auf halber Höh,
Wo Bänke stehn in guter Zahl,
Ruh aus von Weg und Hochlandbö.

Die Höfe stehn hier dicht und fest,
Zu hörn ist manchmal Hundsgekläff,
Besonnt und schläfrig schweigt das Nest,
Wenn ich dich an der Weide treff.

Dies muß ein Ort der Nymphen sein,
Die Grillen spielen auf zum Tanz,
Fabrikgeächz und Straßenschrein
Verlernt sind und vergessen ganz.

Das Dorf steht nicht im Lexikon,
Und keiner schrieb ihm ein Gedicht,
Hier wirbt man mit Akkordeon
Und pflückt der Braut Vergißmeinnicht.

Drum glaub nicht, daß der Wahn der Zeit
Kein Fleckchen, keinen Winkel schon,
Und daß zu Gottes Heiterkeit
Sich nie der Weg ins Abseits lohn.

Hier sind für einen Nachmittag,
Mobil nicht Motor noch Gepieps,
Wenns Engelchen dich herzlich mag,
So halt und herz es fest und liebs.
 

 

28
 


HAIN
Hinter Burgwitz rechts vom Weg,
Der nach Plothen weitersteigt,
Dehnt sich weit ein Tanngeheg,
Das seit alters steht und schweigt.

Gibst du dich dem Dunkelreich,
Stehn Marone und Bovist,
Und der Krebsschere im Teich
Du der erste Finder bist.

Reich an Mulden und Gekräut
Lädt im Herbst der Hangwald ein,
Und wir nannten ihn bis heut
Immer kurz und bündig: Hain.

So wurd Hain nie Gattungswort
Mir als Kind, weil hier geheim,
Aufgebraucht im Schattenhort
Blieb des ganzen Wortsinns Reim.
 

 

29
 


ZWEI WÄLDER
Zwei Wälder haben meinen Kinderjahren,
Als Orte und als Wesen viel bedeutet,
Und ihre Botschaft wächst mit meinen Jahren,
Dies wohl, bis einst die Totenglocke läutet.

Der eine ruht am Totenteich im Tale,
Daß kletternd ich die Dunkelheiten lüfte,
Versuchte ich mich viele hundert Male,
Am mergligen und rostigen Geklüfte.

Es war der Buchnußberg mit Kurvenhohle,
Die Schlittenfahrten taugte und Verstecken,
Von blitzgeschlagnen Eichen brach ich Kohle,
Der Felswand früh mein Liebleid zu entdecken.

Hier mischte Schroffes sich mit linden Stufen,
Hier fanden Traum und Tändeln die Kulisse,
Den Grundbaß meines Lebens hört ich rufen,
Hier fand mein Herz das unerhört Gewisse.

Wenn auch zuzeiten täglich Pirsch und Tummeln
Mich lehrten und erlauscht ward manche Weise,
So weiß ich doch im Laufen und im Bummeln,
Daß er mir dunkler wird mit jeder Reise.

Er birgt die Heimlichkeit in seinen Buchen,
Den Inhalt, den man jemals schabt zu Stäben,
Er ist Erfüllung und zugleich Versuchen,
Er überrascht mit Stelen und mit Gräben.
 

 

30
 
Zur Buchenkron bedurft ich keiner Leiter,
Zum Nachbarhag hab ich den Blick erhoben,
Der Birkenwald liegt nur ein Weilchen weiter,
Wo Ährenfelder steigen sanft nach oben.

Ihn hab ich nie allein noch mit Gespielen
Betreten und lang kam auch nicht die Frage,
Warum dies Feld von allen Wanderzielen
Blieb ausgeschlossen bis zum heutgen Tage.

Der Birkenwald, an den sich Pfade schmiegen,
Hellfarben sein Gekräut wie Laub und Äste,
Ich sah die Maiden sich im Winde wiegen
Und sagen, das verheimlicht bleib das Beste.

Es mag verboten sein, dort einzudringen,
Doch niemand sprach mir je von solchem Banne,
Mir wars genug, daß diese Jungfraun singen,
Und wieder forscht ich nur im dunklen Tanne.

Mir scheint der Wald, den ich mit Ehrfurcht grüßte,
Vertrauter als der dunkle, dem ich eigen,
Und so mag sein, daß ich da leblang büßte,
Daß ich betrat sein Träumen und sein Schweigen.
 

 

31
 


OBSTGARTEN
Apfel, Birne, Kirsche, Pflaume
Ist das Orlakind geneigt,
Meinem hellsten Kindertraume
Haben Bäume sich verzweigt.

Zwar lohnt heut nicht hinzuwandern,
Um die Kronen grün zu sehn,
Doch der Traum folgt einem andern
Kurs, als unsre Tage gehn.

In dem nächtgen Taumeldome
Ist versammelt noch die Schar
Aller Farben und Arome,
Die mir frühster Führer war.

Also ruf ich sie beim Namen,
Jonathan und Williams Christ,
Und erst wenn die letzten kamen,
Sei des Kirschbaums Rot gehißt.

Keiner sei mir je vergessen,
Jeder sei als Freund geliebt,
Dies geb mir die Gnade dessen,
Der uns Fehl und Flucht vergibt.
 

 

32
 


BIRNBAUM
Birnbaum, holder Schattenspender,
Da die Mutter rief zum Tee,
Meines Gartens Hochgeländer,
Elbisch traumversunkne Fee -
Trug wer stolzere Gewänder
Und im Fleische süßres Weh
Als der pralle Goldverschwender
Den ich noch vor Augen seh?

Königlich seit der Antike
Schmückst du selbst das Schattenzelt,
Und für mich ist klar, daß Nike
Deinen Zweig im Arme hält,
Schild und Schwertern, Spieß und Pieke
Bleibst du als Proviant gesellt,
Nur seit Michael sich Mike
Nennt, vergaß auch dies die Welt.

Manchem sind der Götter Gaben
Nichts als Ärgernis und Müll,
Daß die Wespen dran sich laben,
Schien dem Vetter Fahrgebrüll,
Wenn die Kinder Feinde haben,
Süße Frucht die Wiese füll,
Geht die Order auszugraben
Meinen Baum und mein Idyll.
 

 

33
 
Seither ist der Traum geschwunden
Und die Kindheit lacht nicht mehr,
Öde und verdachtgeschunden
Traut sich hier kein Genius her,
Wo die Wespen einst gefunden,
Grüßen sich Beton und Teer,
Und der Dichter leckt die Wunden
Und sein Mut ist selten schwer.

Sag, wie weit mußt du noch gehen,
Bis der Baum uns neu ersteht?
Bis die Buchen und die Schlehen
Mitte sind im Weltgebet?
Bis die Menschen sich gleich Rehen
Scheuen vor dem Wind, der weht,
Und der Götter reichstes Lehen
Birnen, weich und süß wie Met?
 

 

34
 


PFIRSICH
Also Zarathustra sprach
Seiner Schar am Urmia-See,
Einen Zweig der Maler brach
Dem Modell, das weiß wie Schnee,
Und sie steckte ihn gemach
In der Phrygermütze Zeh,
Aus dem Ölbild klingt noch nach
Persien, groß in Wahn und Weh.

Auch der Apfel dieses Lands
Wagte sich ins Reich der Nert,
Und sein Duft erzählt vom Tanz,
Den das Paradies nicht sperrt,
Ein Likör für einen Franz,
Liebgruß Stifters Adalbert,
Wird das Satyrstück uns ganz,
Wenn die Frucht der Schlager plärrt.

Als ich noch mit Teddybärn
Spielte, hat des Vater Mam,
Lang verwitwet, abzuwehrn
Einsamkeit, den zweiten Hamm
Ausgewählt ohn sich zu schern,
Daß den Söhnen hoch das Lamm,
Also durft ein Fremder mehrn
Unsern Hofs Besucherstamm.
 

 

35
 
Jener brachte uns ein Reis,
Das er zog aus einem Kern,
Und empfahl dem Vater Fleiß,
Der den Segen ruft des Herrn,
Zwar mein Vater sah den Greis
Kaum als einen Gärtner-Stern,
Doch den Trieb, so schwach und leis,
Tötet Ignoranz nicht gern.

Da sich Platz für einen Baum
Nicht empfahl, bekam ein Beet
Diesen Setzling, sichtbar kaum,
Daß er nicht durch uns verweht,
Dann verstärkte sich der Flaum,
Richtet sich und wächst und steht,
Und im ungeplanten Raum
Wuchs des Stiefs Apologet.

Im geraden Jahre reift,
Äste brechend mit der Last,
Fruchtfleisch, drum der Nordwind pfeift,
Der das Glück des Orients haßt,
Rote Wangen glühn umschweift,
Von der Haut aus feinem Bast,
Wenn man draus die Kerne streift,
Locken Schlemmerei und Mast.

Vierzig Jahre sind entflohn,
Meinem Lieb, das spät ich sah,
Stand als weiter Reise Lohn
Dieser Pfirsich köstlich da,
 

 

36
 
Eingeweckt mit fester Kron,
Darfst du ihn als Persiens Schah
Schlürfen wie der Sonnensohn
Schlürft der Früchte Kaaba.

Was mir diese Süße sagt,
Brech nicht an Vergessens Damm:
Nichts was unterm Himmel ragt,
Gleicht als Wunderding dem Stamm,
Der die Krone, drein es tagt,
Mutig mählt dem Wolkenkamm
Und uns frei und ungefragt,
Hirte ist und auch das Lamm.
 

 

 

 

38
 


ZWETSCHGE
Zwetschgen hatt ich früh schon lieb,
Wo der Baum dem Klettrer feil,
Wie ein König thront der Dieb
Und hat am Olympos teil,
Leicht vom Stein gelöste Frucht,
Süßer Saft, der rostig rinnt,
Jeder Fahr Asyl und Flucht
Bot der Baum dem Wälderkind.

Als die Säge und die Axt,
Erdigten den treuen Knecht,
Hab ich mir ein Stück gewachst
Von dem Holz, das hart und echt,
Zwar zu klein zum Geigenbau,
Doch ein Talisman im Sack,
Trug ich fort durch manchen Gau,
Was mir ließ das Fäller-Pack.

Wenn ich Mus von Zwetschgen nasch,
Schäm ich mich, daß ich nur lau
Protestiert, da Schutt und Asch
Ward der Herzog in der Au,
Und ich schwör bei seiner Seel,
Stets mit Zähnen und mit Klaun
Ihr zu wehren, wenn da Hel
Wagt, an einen Baum zu haun.
 

 

39
 


QUITTE
Köstlichkeit im Bitterpelze,
Die ich grad am Umschlagpunkt,
Da sich gilben grüne Hälse
Und noch nicht die Reife prunkt,
Ernte und mit hartem Felse
Abreib, daß da leucht die Mitte
Die ich auf dem Feuer schmelze
Bis zur Marmeladen-Quitte.

Winters meinen Fladen fruchten
Sollst als Mus und Quittenkäs,
Reservoir in Kellerfluchten
Schatz im gläsernen Gefäß,
Dräut des Frosts Boreaswuchten,
Lenke nicht zum Kaufmann Schritte,
Denn in sanften Vorratsbuchten
Gilbt die sonnenreiche Quitte.

Gold vom grünen Minosriffe,
Honigapfel, gut getarnt,
Daß der Tölpel sich vergriffe,
Dein Gehäus gar trefflich warnt,
Wer die Panzerung nicht schliffe
Und nicht pflegt die Kochkunst-Sitte,
Erntet Scham und Spötterpfiffe
Und das Schattenaug der Quitte.
 

 

40
 
Baum mit weiß und rosa Blüte,
Der den Weinberg fürstlich schmückt,
Nutzt dir Südhangs Sonnengüte,
Auch dein Traum im Norden glückt,
Wer sich um dein Herz bemühte
Wie Hephaist um Aphrodite
Mählt sich jedem Neophyte
Und der Heilmagie der Quitte.

Honig, Ingwer, Pfeffer, Essig
In den Quittensirup tunk,
Daß da bronzen glüh und messig
Schillere der heiße Trunk,
Sind die Tage streng und stressig,
Für den Magen Heil erbitte,
Und das Grimmen werde lässig
Durch die Linderung der Quitte.
 

 

41
 


JONATHAN
Gottes Gabe und Geschenk
Sagte die geglückte Zucht,
Wenn ich an die Kindheit denk,
Spürt die Rechte diese Frucht.

Dunkelrot und prall und still
Widerstehst du Feinden gut,
Wintertags bis zum April
Grüßt dein feiner Lebensmut.

Reichtum, der auch Frost besteht,
Doch verlangt den guten Schnitt,
Bist du mit der Zeit verweht,
Da ich auf dem Holzpferd ritt.

Doch es soll der Pegasos
Dein gedenken, gelb und rot,
Eh sich meine Akte schloß,
Und der Traum des Gartens tot.
 

 

42
 


LEDERRENETTE
Vom Himbeergesträuche,
Da einst wir die Bäuche
Und füllten wie Bären
Solang uns gewähren
Ließ Sonne, zum Zaune
Zog huldvoller Laune
Von Bögen die Kette
Die Lederrenette.

Nicht hoch war die Krone,
Kein Specht sie bewohne,
Sie flocht sich die Quere
Und gab uns die Ehre,
Mit Bögen zu scheiden
Die Beete den Weiden,
Vom Kargen das Fette -
Die Lederrenette.

Gefurcht warn die Äste,
Gewölbt war das Feste,
Und reich was sich reichte
Ins Nachmittag-Leichte,
Der Pelz-Morimunder
War Torweg und Wunder,
Die Einstimmungsstätte
Die Lederrenette.
 

 

43
 
Wie konnten es dulden
Die Obstgarten-Hulden,
Daß auch dieser Tänzer,
Der Seidenbeglänzer
Uns darf nicht mehr grüßen?
Einst brachte im Süßen
Uns täglich zu Bette
Die Lederrenette.

Sie ist keine Dame,
Sie pelzt sich im Schame,
Sie wirbt nicht mit Röte,
Doch was sie dir böte,
Weiß wohl, wer sie schmeckte,
Und wer sie entdeckte,
Sucht auf der Palette
Die Lederrenette.
 

 

44
 


WILLIAMS CHRIST
In dem Garten früher Jahre
Lockte auch der Leckerbissen,
Den auch Stock und weiße Haare
Immer noch zu schätzen wissen.
Gelbgrün, sonnseits leicht orange,
In Altweibersommer-Frist
Zeigt dem Gärtner Huld-Revenge
Reif die Birne Williams Christ.

Pyramidenhaft und sparrig
Wächst die Korne diesem Stamme,
Solchem Überflusse harr ich
Seit ich fern der Garten-Amme,
Zwar sind Schorf und Feuerbrand
Diesem Reichtum Teufelslist,
Doch beliebt im Osterland
Bleibt noch immer Williams Christ.

Gelblich schmelzend mit Aromen
Eignet sich der Frucht Sublimes,
Was die Zunge fand im Gnomen,
Schien mir des Genusses Limes,
Doch daß im gebrannten Geist
Ganz des Sommers Sehnsucht nist,
Wird als Wunder eingeschweißt
In die Buddel Williams Christ.
 

 

45
 
Das Verfahren der Walliser
Steckt die Knospe in die Flasche
Was da wächst im Bann der Vlieser
Läßt erst reif die Nabellasche,
Da der Trick nicht immer klappt,
Wohlfeil der die Marke hißt,
Der zuerst die Flasche kappt
Und dann draufklebt Williams Christ.

Solchen Umwegs hat nicht Mangel,
Wer da kommt zur rechten Stunde,
Da der Fang schon an der Angel
Hats nicht weit zum Schlemmermunde,
Zwar auf seinem alten Platz
Heut auch dieser Baum nicht ist,
Doch ich finde meinen Schatz
Und ich preise Williams Christ.
 

 

46
 


CONFERENCE
Guter Geist in unserem Garten,
Baum in Hochstamm und Spalier,
Bis Oktober hat zu warten,
Wer nach diesen Früchten gier.

Flasche, Kelchbauch, abgerundet,
Drauf sich brauner Rost ergießt,
Weich mit Stiel und Baum verspundet,
Haut, die rauh und trocken fließt.

Kernhaus-Spindel hohler Achse,
Samen, die kastanienbraun,
Reif gerötet ist dem Lachse
Ähnlich, was die Zähne kaun.

Teigig wird die reife Schöne,
Darum pflückt sie stets beizeit,
Daß sie noch der Weihnacht Töne
Mit der Sommerwürze weiht.
 

 

47
 


NOVA VILLA
Von Arnshaugker Burg beflankt
Wuchs die Stadt nach Maß und Plan,
Was sie diesem Sinn verdankt,
Ist noch heute wohlgetan,
Wo der Markt von nirgends weit,
Fleisch nicht auf dem Weg verdirbt,
Teilt man Wohlstand, Schmerz und Leid,
Weg und Wollen, bis man stirbt.

Als der Enge man gepönt,
Trieb so manches Glied hinweg,
Ehr als anderswo versöhnt
Blieben hier doch Zeit und Zweck,
Was da neu geheißen ward,
Ist nun selber Tradition,
Wo manch Kleinod aufgebahrt
Heimelt mit dem Uralt-Ton.

Fleischerbänke zeigt man gern
Ganz Europa wohl bewahrt,
Ulks und Schabernackes Herrn
Um die Dohlen sind geschart,
Rathaus, Kloster, Kirche, Schloß
Goldner Adler, schwarzer Leu,
Wer die Kindheit hier genoß,
Liebt es heimelich und treu.
 

 

48
 
In den Stadtpark schau herein,
Wo die Blumuhr frisch und groß,
Zwar es wird zuzeiten sein,
Daß hier trinkt wer obdachlos,
Not und Unrecht geben gar
Jeder Zeit zu Seufzern Grund,
Doch der Himmel maienklar
Segnend überm Gärtner stund.

Von der Kirchenglocke Guß,
Spricht manch Lied und manche Mär,
Dreißigjährig fiel Verdruß
Über Neustadts Bürger her,
Cranachs, Luthers, Goethen denkt
Man, jedoch der Dichter nicht,
Die uns Neustadt hat geschenkt,
Daß sich Gottes Loblied spricht.

Drum von Joseph Clauder soll
Hier gebührlich Rede sein,
Die Oratio, glaubensvoll,
Ruht im Altenburger Schrein,
Dichter manchen Kirchenlieds,
Der beim Kaiser Lorbeer fand,
Als die Pflege dies Gebiets
Noch in höchsten Ehren stand.

Michael, der Ziegenspeck,
Ranis Sang und Pfarrer stellt,
Der geborn im Orlafleck,
Zog ihn vor der weiten Welt,
 

 

49
 
Schütz und Buxtehude tun
Noten in sein Kirchenlied,
Mag der Krieg auch lang nicht ruhn,
Neustadts Kind den Himmel sieht.

Also hoff, auch Neustadt kehr
Bald zum Glaub an Christi Sach,
Daß man seine Kinder lehr,
Wer es recht und herrlich mach,
Also soll die Glocke schalln,
Daß verjagt sei Beelzebub,
Und ein frohers Lied sei alln,
Auf dem Feld und in der Stub.
 

 

50
 


KÖRNERLINDE
Als Preußen der Franzosenknut
Entgegentrat mit freien Scharn,
Ergab Major von Lützows Hut
Der Körner sich mit Haut und Haarn.

Durch Buttelstedt und Lobeda
Zog der zum Markt von Roda dreist,
Der Rheinbündler sich kaum versah,
Eh Lützow ihn ins Schindloch schmeißt.

Da ward gemeldt ein Großverband
Von Polen-Reitern auf die Stadt,
Da man sich tallang abgewandt,
Der Feind kein Ziel gefunden hat.

Zu Pfingsten achtzehn dreizehn kam
Verwegner Zug in Neustadt an,
Da waren Pferd und Schützen lahm,
Doch gute Pfleg rasch Kraft gewann.

Nach einem Rasttag gehts nach Schleiz,
Das Volk schenkt Hab und Wünsch den Herrn,
Die Bürgerseel vergißt den Geiz,
Zeigt sich der deutschen Freiheit Stern.

Bei so viel Mut und solcher Eil,
Hat man den Dichter kaum gemerkt,
Doch man begreift nach mancher Weil,
Wie er den Kampfgeist hat gestärkt.
 

 

51
 
Nachdem der Freiheitssänger fiel,
Die Linde ward am Centbaumweg
Gepflanzt, daß sich der Jahre viel
Der Sturmwind in die Krone leg.

Dreihundert Jahr hat sie gegrünt,
Sah manch Regime und manche Schand,
Doch dann, dies ist noch ungesühnt,
Fuhr sie ein Kraftfahrzeug zuschand.

Zwar steht ein junger Folger jetzt,
Mit Pflastersteinen gut bewehrt,
Doch kaum noch wer den Körner schätzt,
Die Freiheit und die Freischar ehrt.

So müssen wohl noch hundert Jahr
Vergehn, eh dieses Baums Fanal
In gleicher Weis verwegne Schar
Zum Streite schickt im Orlatal.
 

 

52
 


SPIELVERDERBER
Es gibt so Leute, die mit Mühe
Stets fern vom Opportunen schaun,
Sie scheinen mir wie lila Kühe,
Die an Elektrozäunen kaun.

Kommt da ein Mädchen auf das Zimmer,
So lesen sie ihm Nietzsche vor,
Im Friedhof juckt ein Witz sie immer,
Sie gehn in pink zum Männerchor.

Sie schwärmen in der Sozi-Runde
Vom Freikorps und von Baltikum,
Und geht das Brillenglas zugrunde,
Sind sie nur wenig traurig drum.

Der Herr Gerichtsvollzieher fände
Zu ihre Bleibe schon im Schlaf,
Das Arbeitsamt füllt Aktenbände,
Wie sie doch stets das Unglück traf.

Der Dichter mocht sie manchmal leiden,
Weil sonst so wenig Beifall war,
Doch wer vom Laster mag nicht scheiden,
In jeder Suppe findt ein Haar.
 

 

53
 


WER RECHTET MIT GOTT
Wer heillos nennt die ganze Welt,
Und dazu fehlts an Gründen nie,
Dem Schöpfer das Attest bestellt,
Sei Werk sei Pfusch und Parodie.

Daß ihm die ganze Macht gehör,
Erwägt er frech und auch verzagt,
Stehn die Gedanken im Verhör,
Bremst niemand, was die Seele wagt.

Was ist am Weltgedicht verpfuscht?
Der Mensch, der nur dem Mammon frönt.
Der Siebenschläfer asthin huscht,
Er ist mit seinem Baum versöhnt.

Auch wenn die Eule ihn zerhackt,
Er stirbt, mit Wald und Himmel eins,
Denn wenn er Nuß und Eichel packt,
Wird auch ein fremdes Schicksal seins.

Doch wer die Welt zerlegt zur Zahl
Und sie vernutzt zu Pacht und Zins,
Der macht die Weide karg und kahl
Und wird ein Stallknecht des Gewinns.

Er rechnet alles, was da lebt,
In Maßen, die der Tod gemacht,
Daß aus den Netzen, die er webt,
Zuletzt allein der Schnitter lacht.
 

 

54
 
Da alles Wirkliche zu klein
Für seinen Drang nach mehr und mehr,
Gilt alles Mühen Trug und Schein,
Gebilden, die wie Sternstaub leer.

Doch aller Witz zu konstruiern,
Was virtuell und nur medial,
Läßt ihn das Wissen nie verliern,
Daß es verfehlt und grabesschal.

Daß er darob den Himmel pön?
Der Teufel wars, der spät und früh
Ihm sprach: Ich mach dein Leben schön
Und zwar sofort und bar der Müh.

Willst du dem Schöpfer gleichen, richt
Dein Haus aus Lehm, aus Traum und Lied,
Obs auch die Böe mach zunicht,
Glaub fest, daß nichts umsonst geschieht.

So wie das Tier, von Zweifeln frei,
Ein Aug hat für die Sämerein,
Soll Welt, wie sie auch immer sei,
Dir Lebensraum und Prüfung sein.

Dies fordert mehr als alles Recht,
Das uns Papier zugute hält,
Das Leben ist genauso schlecht,
Wie wir uns traun, was uns gefällt.
 

 

 

 

56
 


FAMILIE
Einst flogst du aus dem Elternnest,
Von Erb und Lebensmustern frei,
Daß alles sich versuchen läßt,
Schien reicher als das Einerlei.

Du wurdst versorgt mit Theorien,
Daß heut sich alles anders stell,
Als morsch und staubig ward verschrien,
Wer sich nach altem Brauch gesell.

So rauschten manche Sommer hin
Und fruchtlos manch Experiment,
Bis deines Hochmuts Spinnerin
Als Käfig ihr Gespinst erkennt.

Meint wer, daß im Gesetz der Staat
Sei Kind und Greis die rechte Hand,
Erscheint ein jedes Wort zuschad
Für diesen Sumpf von Unverstand.

Die Sorg kann nie von fern gedeihn,
Drum sorg allje in nächster Näh,
Bestehen heißt den Seinen sein,
Drum lach, daß dich der Zeitgeist schmäh.

Daß man aus Zins und Wucherung
Könnt bannen alle Müh und Not,
So sprach des Teufels Lästerzung,
Doch aus dem Toten wächst nur Tod.
 

 

57
 
Wo immer Leben sich bestimmt,
Gilt es der Herkunft und der Brut,
Wenn man dem Mensch Familie nimmt,
Wird Sporenstaub das Herzensblut.

Weich nie der Pflicht, bequem ist nur
Der gute Vorsatz, wunderbar
Ist er zur Höll die Pflasterspur,
Wo alles Fremdverschulden war.

Was immer galt, wird immer stehn,
Drum iß im Brot den Heiland mit,
Daß in der Stunde fortzugehn
Dein Kind für deine Seele bitt.
 

 

58
 


QILIN
Wo das Tun der Elemente,
Daraus sich das Leben mischt,
Und des Thrones transzendente
Setzung aus dem Drachen zischt,
Muß das Einhorn anders wesen,
Zeigt es anders Leib und Spleen,
Und der Weise der Chinesen
Nennt es Mannweib und Qilin.

Bart und Kamm und Ochsenbeine
Wirken rauh und wutentbrannt,
Aber ungeacht dem Scheine
Bleibts der Minne Segenspfand,
Wer ihm träumerisch gewogen,
Läßt den Schmerz dem Horn-Morphin,
Und die Lieb hat nicht gelogen,
Weidet dämmerlands Qilin.

Ist der Drache groß und mächtig,
Spielt der Springer dir subtil,
Wer des Treuebruchs verdächtig,
Seinem spitzen Horn verfiel,
Aber wer die Herzensfrohe
Grüßt im Aug als Almandin,
Segelt über Schwert und Lohe
Mit der Weisheit des Qilin.
 

 

59
 
Suche nicht nach seiner Weide,
Denn dein Weib ist längst bestimmt,
Sagst du noch nicht, ja wir beide,
Zweifel nie, daß eines stimmt:
Nur dein Aug ist trüb und neblich,
Wenn das Glück dir nicht erschien,
Alle Fahrten sind vergeblich,
Grast im Nachbarhof Qilin.

Also muß der Tag dir kommen,
Daß dus schaust im Dorngesträuch,
Soll sein Gnadenreich dir frommen,
Zeig nicht Scham noch Schreckgeräusch,
Denn dein Herzblut füllt am Bache
Krüge schwer und will schon ziehn,
Doch im Feuer steigt der Drache
Und den Minner küßt Qilin.
 

 

60
 


HEIMATDICHTER
Leicht verächtlich tönt der Titel,
Wers nicht schafft in die Annalen,
Sucht hier ein probates Mittel
Zur Berühmtheit im Lokalen.

Eingewandt sei solchem Tadel,
Daß der Dichter im Konkreten
Aufspürn muß des Wortes Adel,
Wie die Laren Gott vertreten.

Daß er leichte Beute wählte,
Meint die Engstirn schwachen Glaubes,
Sind doch Buddhas ungezählte
In dem Körnlein jedes Staubes.

Und die Malve dort am Raine
Weiß vom Reiche mehr zu schauern,
Als ein Fürst im Sonnenscheine,
Der vergessen hat den Bauern.
 

 

61
 


EULENSPIEGEL
Durch Jahrhunderte und Moden
Blieb der Gaukler populär,
Der mit Schellen an den Loden
Tat, als ob er närrisch wär.

Und das Volksbuch seiner Streiche
Hat dem Drucker Gold gebracht,
Frechwort wider Herrn und Reiche
Hat manch Schalk ihm nachgemacht.

Auch die Gruppe Eulenspiegel,
Die in Neustadt plänkelt rum,
Fürchtet weder Schloß noch Riegel,
Zeigt die Obrigkeit sich dumm.

Freisinn, der im Mittelalter,
Focht mit Schelle und Schalmei,
Würzt den Minneleich von Walter
Mit der Volkspoeterey.

Kurzweyl, Fehde und Gemunkel,
Andy, Charly, Rudi, Paul,
Ob im Bad, im Festgeschunkel
Ull und Zipfel findst nicht faul.

Inken bläst die Flötentöne,
Daß die Ritterschar sich fügt,
Denn so zeitlos wie das Schöne
Ist der Ruhm, der meistens lügt.
 

 

62
 


POMMERLEEDE
Läßt du Neustadt an der Brille,
Wo man früher Fußball übte,
Zeigt der Weg schon bald getrübte
Wanderfreud als Ackerrille.

Lehmig ist die gute Erde,
Wo man pflügte übern Hügel,
Schlamm verflucht, wer keine Flügel
Hat und nicht mal gute Pferde.

Hinterm Buckel, glatt am Weiher
Lockt das Gasthaus Pommerleede,
Dort ist zu, spricht Unkenrede,
Oder grad geschloßne Feier.

Als wir Schuljungs warn und Brause
Mochten, warn an Wandertagen,
Stets die Läden zugeschlagen,
Und den Sprudel gabs zuhause.

Aber seit man gut kassieren
Kann als Wirt am Waldesrande,
Ist vergessen diese Schande,
Und es mangelt nicht an Bieren.

Also sollst auch du nicht geizen
Abzukühln die Wandermühe,
Dröhnt zu stark die Gerstenbrühe,
Nimmst du halt ein gutes Weizen.
 

 

63
 


BISMARCKTURM
Wächter mit gezackter Zinne,
Über Neustadt weit zu sehn,
Oft war ich des Wunsches inne,
Auf dem Turme frei zu stehn,
Doch die Stiege blieb verschlossen
Immer wenn ich kam als Kind,
Und ich hab da nie genossen
Aussicht und den Wipfelwind.

Blaubeern gabs am Hang in Mengen,
Wer da jung, hat nie genug,
Süße in den Schlund zu drängen,
Ich nach Flecken niemals frug,
Doch der Turm blieb unversöhnlich,
Heller Sandstein, hart und zu,
Und wir gingen dann gewöhnlich
In die Klause Heinrichsruh.

Gehst die Hohe Straße heiter,
Die noch weiß vom Alten Reich,
Findst die Sachsenburg und weiter
Lichtenau und Tiefen Teich,
Dorten und auch an der Achte
Machte Sommer uns zum Faun,
Als man Spätgekommner lachte,
Die noch immer gar nicht braun.
 

 

64
 
Oft traf uns des Lehrers Tadel,
Weil der Nam des Turms tabu,
Bös und schimpflich galt wer Adel
Und ein Preuße noch dazu,
Doch dies hat uns bloß erheitert
Und wir haben nie geschluckt,
Daß ein deutscher Junge scheitert,
Der bei solchen Regeln muckt.

Später hab ich erst erfahren,
Daß die Leut, zu ehrn den Mann,
Dieses Turmes Schöpfer waren,
Stolz, daß er das Reich gewann,
Diesem Volke zu verbieten,
Daß es seine Sache glaubt,
Brachte wenig Gunst den Nieten,
Denen Marx das Hirn geraubt.

Heut darfst wieder Bismarck sagen,
Aber bitte nicht zu laut,
Denken Deutsche deutschen Tagen,
Gleich ein böses Zeichen schaut,
Doch der Wanderer will hoffen,
Daß da einmal Aussicht sei,
Daß die Tür des Turmes offen
Und die deutschen Lande frei.
 

 

 

 

66
 


STANAU
Wall vom Turm zum Mückergrund,
Übern Waldbach gehts ins Tal,
Einem Teich, als erstem Fund,
Folgen zwanzig an der Zahl,
Sie sind nach dem Fuchs genannt,
Seltne Pflanzen schau am Deich,
Dann zur Wüstung rechter Hand,
Ilgenhain, einst stolz und reich.

Wasserburg und Betkapell
Sprechen nur noch vom Ruin,
Breitenhain erreich ich schnell
Um nach Stanau fortzuziehn,
Hier sind Wald und Land noch frei
Von Gedräng und Industrien,
Daß dies künftig auch so sei,
Ist die Eintracht weit gediehn.

Stanau liegt allein im Tal,
Selbst der Bus fährt hinterm Wald,
Dorther lief ich manches Mal,
Wo es dunkel ist und kalt,
Denn mir war ein Madel lieb,
Das in Stanau hat gehaust,
Schlich ich fort wie nachts der Dieb,
Hats im Tann mir nie gegraust.
 

 

67
 
Dörfer, die der Straße fern,
Hüllt ein sanfter Nebel ein,
Und der Zeit geschäftge Herrn
Kriegen in die Tür kein Bein,
Dort hätt Ofterdingen wohl
Auch gesucht den blauen Blust,
Hätt wie ich durch schwarze Hohl
In das Tal hinabgemußt.

Längst vergessen hat die Maid,
Daß ich ihr Gedichte schrieb,
Viele Weiser tilgt die Zeit,
Doch der finstre Hangwald blieb,
Ihm ist unser Liebesleid
Wie die Pilze letzten Jahrs,
Denn er reckt die Wurzeln weit
Wie das Haupt ins Reich des Aars.
 

 

68
 


FRÖHLICHE WIEDERKUNFT
In Wolfersdorf macht einen Bogen
Die Straße, denn dort liegt ein See,
Wer einmal die Schleife gezogen,
Der meint, eine selige Fee
Hab träumrisch dem Auge gesungen
Ein Wasserschloß, dreiseits zu sehn,
Die Mär sei ins Wachen gedrungen
Und müsse sehr bald schon verwehn.

Der Großmütge hieß Johann Friedrich
Der wahrmachte die Renaissance,
Wer herkommt, ob hoch oder niedrig,
Fühlt Schweben und wähnt sich in Trance,
Hier leuchtet im Tanne, im finstern,
Ein Kleinod, das mahnt an Orphan,
Bekränzt von Robinien und Ginstern
Apoll in der Aue des Pan.

Hier gibt sich dem Volke ein Schlüssel,
Daß Genius und Anmut real,
Es zählt nicht nur Fett in der Schüssel,
Das Heil ist der sichtbare Gral,
Im Krieg der Schmalkalder vom Kaiser
Verhaftet, der Kurfürst gewann,
Zurück seines Stammbaumes Reiser
Im Schloß, das erbaut ward im Tann.
 

 

69
 
Und glücklich erneut bei den seinen,
Befahl er, der Name des Baus
Mög Fröhliche Wiederkunft meinen,
Und also heißt ewig das Haus,
Die Ehr hat gemehrt diesem Gaue,
Von Sachsen und Altenburg Ernst,
Er wich nicht vom Land und vom Baue,
Da Nichten und Schranzen schon fernst.

Er schlug für das Reich an der Marne,
Den Pour le Mérite er erlangt,
Als ob ihn der Sternhimmel warne,
Im Krieg er dem Heeresdienst dankt,
Dann bald auch der fürstlichen Bürde,
Ein Zankapfel neuer Partein,
Doch hielt er die Heimat, die Würde,
Und wollte kein Zon-Flüchtling sein.

Nach nocheinmal Krieg kamen Rote,
Die Fürsten-Kollegen verziehn
Sich westwärts, es blieben nur Tote,
Die nie noch der Erde entfliehn,
Er war ihnen stärker verbunden,
Als Wirtschaft und Wohlstand und Geld,
Und was ihm gewährt noch an Stunden
Empfing er im Wolfersdorf-Feld.

Was keiner sonst wagte, doch dieser,
Ist Wunder noch mehr als das Haus,
Des echten Geschichtsbuchs Erkieser
Sind Posten, die fallen nicht aus,
 

 

70
 
Wenn alles in Dumpfheit verrottet,
Und blind wird für Hoheit und Stand,
Die Genien der Erde vergottet
Der Herzog, der treu bleibt dem Land.

Drum such nicht die Marmortribünen
Wo feiertags Redner sich reihn,
Vertraue den kargeren Bühnen
Im Ried und im dornigen Hain,
Dort wird einst auf wrackreichen Wogen,
Geschwärzt von zerstörtem Gesehn,
Von Schwänen der Nachen gezogen,
Zum Schloß, drin die Blutfahnen stehn.
 

 

 

 

72
 


MEUSEBACHER SÜHNEKREUZ
Einst hat der Franzmann sieggewohnt
Kaum einen Flecken Land geschont,
Den Meusebachern barg die List,
Ihr Dorf, das fern vom Wege ist.
Denn wo sich sonst der Pfad verzeigt,
Hat sich Gestrüpp zuhauf gezeigt,
Das sagt, hier lohnt sich Marsch noch Halt,
Denn hier ist nichts als öder Wald.

Doch einem ward die Klugheit Pech,
Er sah die List und meinte frech,
Es müsse was zu holen sein,
Schlöß man sich so mit Aufwand ein.
Er fand auch bald das erste Haus,
Dann war für ihn der Feldzug aus,
Denn Bauern, die die Plündrer leid,
Erschlugen ihn in kurzem Streit.

Kaum war die Leiche nachts verscharrt,
Hat sie ein böser Geist genarrt,
Und Christum riefen sie in Not,
Daß er bewach der Toten Tod,
Ein Sandsteinkreuz bedacht das Grab
Es sühn den Mord um Gut und Hab,
War er uns übel auch gesinnt,
So war er doch ein Christenkind.
 

 

73
 
Gern wollt der Deutsche sich befrein,
Grub noch ein Kreuz ins Steinkreuz ein,
Doch blieb der Tote unversöhnt,
Er geht umher und ächzt und stöhnt,
Gar manchen Wandrer schreckt sein Laut,
Daß er entflieht mit Gänsehaut,
Drum merke, ist die Welt verroht,
Fürcht dennoch Gott und sein Gebot.
 

 

74
 


HUMMELSHAIN
I

Ob Hummel oder Hunebald,
Wie einstens der Lokator hieß,
Ist strittig, nicht der tiefe Wald,
Drein einst das Häuflein Siedler stieß.

Der Hain zeigt spätres Roden an,
Das mit dem Grundherrn abgemacht,
Wer landlos war, doch stark als Mann,
Hat gern den Axtschlag eingebracht.

Wildreich blieb dieser Fleck bis heut,
Jagdschlösser, Pirschgang und Geheg
Stehn nicht zur Sach gemeiner Leut,
Denn Jagd ward bald ein Privileg.

Gar manchem scheint dies ungerecht,
Doch ist, seit sich der Mensch vermehrt,
Der Braunbär zwar für Menschen schlecht,
Doch meistens ist es umgekehrt.

So muß der Wunsch nach Fleisch und Pelz
Sich Regeln fügen und Gewalt,
Sonst blieben auf dem Sandsteinfels
Nur Wüstungen und tiefer Wald.
 

 

75
 


II

Das alte Schloß aus dem Barock,
Fand Um- und Anbau dran und drin,
Doch da ein Brand fraß manchen Stock,
Dem Herzog stehts nach Neubeginn.

Das Letztjahrhundert Fürstenrechts
Sank schon, doch zeigt es unserm Blick,
Was in den Fugen des Geschlechts
Gesammelt war an Baugeschick.

Die Renaissance der Renaissance
Beugt sich als spät der Tradition,
Doch wir, bar Klangs und Wiederklangs,
Wärn dankbar für ein Fünkchen schon.

Was anklagt, wenn es uns gefällt,
Entstand in Jahrn, nicht lange her,
Mein Urgroßvater auf der Welt
Schon war, und doch ists eine Mär.

So wird der Graben offenkund,
Der schauen läßt ein Bau-Idyll,
Wird irgendwann das Land gesund,
Dann bleibt von uns nur Zorn und Müll.
 

 

76
 


III

Das Wildgehege Rieseneck
Entstand zu Zeiten Wallensteins,
Nach hundert Jahrn am gleichen Fleck
Wars mit dem Ziel des Anfangs eins.

Vom Pirschhaus geht ein Gangsystem
Teils offen, teils gewölbt, daher,
Wird Jagd in solcher Weis bequem,
Ist Prinzen schon Erfolg nicht schwer.

Der Herzogsstuhl, ein Meisterbau,
Spricht sich in schlichter Grazie aus,
Kommst du vorüber hier, so schau
Auch unbedingt aufs Grüne Haus.

Dies ist nicht abgehobne Pracht,
Dies ist Geschmack im Menschenmaß,
Und wer sich solches ausgedacht,
Gewiß kein schlechtes Herz besaß.
 

 

 

 

78
 


FREIENORLA
Wer die Hoffnung weiß zu fühlen,
Daß der Herrgott uns erhör,
Lausche auf die Wassermühlen,
Nicht auf roten Hirschs Geröhr,
Such nicht deinen Mut zu kühlen
Sondern dich zum Flug empör,
Denke an die Thermopylen
Ans Kamel, ans Nadelöhr.

In der Orla Sterbensgröße
Blüht ein Flecken, recht und karg,
Wo Frau Holdas Sonntagsklöße
Nährten Mannen, deutsch und stark,
Dorthin deine Dichtung flöße,
Denn des Reiches Rückenmark
Sind der Mühlen Spenderschöße,
Urkraft, ewig und autark.

Zweie schaffen, unten, oben,
Und wen wunderts, daß sie frei?
Keinen fremden Herren loben,
Die da rastlos sind und zwei,
Wer zu wehren weiß dem Groben,
Wer dem Wasser Bärn entleih,
Hat noch stets das Haupt erhoben,
Ob der Feind auch mächtig sei.
 

 

79
 
Was da kommt im Himmelsflusse,
Wird zu Kraft, Gewinn und Fleiß,
Darum schau im Musenkusse
Nicht der Firne schimmernd Eis,
Trenn dich von dem falschen Schlusse,
Daß das Rad der Fremdheit Gleis,
Wahre Autoomnibusse
Führt der Wasserfall im Kreis.

Mühlen sind der Freiheit Warte,
Denn sie walten souverän,
Wo sich selber wetzt die Scharte,
Wird kein Hahn nach Hilfe krähn,
Mühlen sind die Asenkarte
Überm Pflügen, Eggen, Sän,
Wo uns schwarz die Trutz-Standarte
Schwingt der Mühlen-Kapitän.

Freienorla ward besungen,
Da der Herr von Brandensein,
Hier die Spanier so bezwungen,
Daß sie noch zuhause schrein,
Und in Deutschlands Dämmerungen
Soll es diese Freiheit sein,
Die von Mühlenkraft durchdrungen
Ostern wird mit Brot und Wein.
 

 

80
 


SCHIMMERSBURG
Forbig auf geringem Hügel,
Herrscherin im Orlagrund,
Seinem Schimmel rafft die Zügel
Odin, weiß des Volkes Mund.

Erst der Orlamünder Junker,
Dann der Rittersmann von Flaus,
Manch Geschlecht und manch Geflunker
Traf das gut bewehrte Haus.

Im Schmalkalder Kriege zogen
Spanier, plündernd, mordend her,
Aber durch den Würzbachbogen
Kam ein Bauernhauf zur Wehr.

Die von Oppurg warn geschlichen
Schweinitz, Rehmen alarmiern,
Langendembach drängt dazwischen,
Freienorla will marschiern.

Und die Bauern vieler Flecken,
Schlagen all die Söldner tot,
Daß ein Ende sei mit Schrecken
Und der Saum der Orla rot.

Viele zahltens mit dem Leben,
Doch seither kam niemals mehr
Durch den Schlamm von Orlawegen
Marodiernd ein fremdes Heer.
 

 

81
 


RITTERGUT POSITZ
Vierseithof mit Herrensaal,
Torhaus, Brunnen, Scheunenschar,
In der Steigung vor dem Tal,
Wo viel Zeit zum Reifen war.

Wehrhaft, fest nach Klosterart
Trotzt das Bruchstein-Areal,
Das sich wie die Herde schart,
Wintern, reich an Frost und Zahl.

Doch das Land entfloh dem Gut,
Ritter galten als verstaubt,
Mit den Herren ging der Mut,
Bis der Sturm die Ziegel raubt.

Doch solang es Männer gibt,
Die Verfall und Fäulnis schmerzt,
Auch ein Arm die Mauern liebt
Richtet und erhält beherzt.

So geschehn vor dutzend Jahr,
Mancher meint, er sei verrückt,
Junger Mann mit langem Haar
Fach mit Ziegelstein bestückt.

Stiegen, Stuben, Fensterfront,
Neuert, der die Zeugen schont,
Wenn man schaut, was er gekonnt,
Weiß man, daß das Erbe lohnt.
 

 

82
 


IM REHMER MOOR
Im Rehmer Moor, da losch die Tabakspfeife
Ein Raucher nicht, eh er sich legt aufs Ohr,
Und als er wacht, da brannts am ganzen Seife
         Im Rehmer Moor.

Als drüber er im Dorf ein Wort verlor,
Ward Hoffnung, daß man Torf gewinnlich greife,
Man ging mit Pumpen und mit Spaten vor.

Doch wie schon bald die Bahn in ihrem Schweife
Der beßren Kohle Markt und Absatz kor,
Entstand ein Bad für Jüngere und Reife
         Im Rehmer Moor.
 

 

83
 


PÖSSNECKER LUFTSCHIFFER
Im Land der Tüftler und der leicht Verschrobnen
Ists größter Spaß, wenn ein gewitztes Kind
Den hohen Herrn, den völlig abgehobnen,
Beweist, daß sie ja doch nur Menschen sind.

Also geschahs, da Minenfeld und Schützen
Besorgten, daß kein Floh die Grenze nehm,
Da meinte wer in Pößneck, zu benützen
Die Heißluft im Ballon sei recht bequem.

Gesagt, getan, und zwei Familien nähten
Bettlaken, die man erst mal kriegen mußt,
Gasflaschen-heiß die Abluft-Winde blähten
Das Tuch den Konstrukteurn zur Bubenlust.

Bei Neumond als der Wind von Norden stürmte,
Vertraut dem Korb mit Kegel und mit Kind
Die Crew, die ganz auf ihre Weise türmte,
Wenn rings die Wolken dick und finster sind.

Zu sehn war nichts, es gab nicht Maß noch Ruder,
Gelandet ward geprüft erst, weß die Au,
Als Mielke dies erfuhr, da half kein Puder,
Denn sein Gesicht war rundum rot und blau.

So darf der Schalk die Macht-Historie lehren,
Daß ganz immun die Obrigkeit ist nie,
Und wer gering an Waffen ist und Ehren,
Strahlt eine Nacht als Heros und Genie.
 

 

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BRANDENSTEIN
So der Wolf, die Gans im Rachen,
Sich des Helms mit Decken freut,
Sinds die gold bemalten Sachen
Brandensteiner Rittersleut.

Nah der Kaiserpfalz bebauten
Sie den Riff im Orlaland,
Was der Nachwelt sie vertrauten,
Fand nicht immer Sachverstand.

Yankees raubten Schwert und Lanzen,
Stalin warf den Hausherrn raus,
Eh zur Schulung seiner Schranzen
Wohnte die Partei im Haus.

Dann als Jugendherberg offen,
Ward verbaut das Innre ganz,
Die auf Sozialismus hoffen,
Scheuten Kosten, nicht Substanz.

Dann kam Leerstand und Verscherzen,
Bis ein Orlakind es wehrt,
Der das Erb sich nahm zu Herzen
Riß heraus, was hier verkehrt.

Aus dem Fundus der Geschichte,
Villen, Höfen und Gewerk,
Trug er Materialgewichte
Auf den Brandensteiner Berg.
 

 

85
 
Aus dem Köthner Schlosse Dielen,
Aus dem Marktgewölb die Tür
Welche Stufen auch verfielen,
Die Verwendung gibts dafür.

Ob der Dachstuhl, ob das Pflaster,
Balustraden, Säulenschmuck,
Oft nach Ranis gehn die Laster,
Daß da nur Historie guck.

Was wir da eklektisch heißen,
Ist in Wahrheit nicht verrückt,
Was da alt, wird der nur schmeißen,
Den das Gold des Kroisos schmückt.

Auch den Herrn im Mittelalter
War die Sparsamkeit Gebot,
Wie der Blütenstaub den Falter,
Hat das Reich den Sammler not.
 

 

 

 

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CASTRUM RANIS
Königin im Orlagaue,
Kaiserpfalz und Minnetraum,
Rund und stämmig küßt das Blaue
Bergfried wie den Wolkensaum.

Doppel-Vorburg, Zwinger, Brücke
Salierlehn, dem Stolz gebührt,
Und Erinnrung, wie da Tücke
Nach Canossa hat geführt.

Feste Tore, Brunnen, Speicher,
Sagenriff, der Vorwelt nah,
Keine Feste dünkt mich reicher,
Die ich auf den Fahrten sah.

Tunnel sorgt, daß dies kein Kerker,
Dauert der Belagrung Pflock,
Herrlich künden Giebelerker
Von der Baukunst im Barock.

Diese Mauern anzufassen,
Die so fest wie unser Glaub,
Konnte ich als Kind nicht lassen,
Werds auch nicht, wenn ich ertaub.
 

 

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ILSENSAGE
Da bei Oelsen letzte Cliden
Hausten mit Gewalt und Mord,
Liebte Ilsa sehr den Frieden
Und so ging sie heimlich fort,
Aus dem Karst, dem grottenreichen,
Drang Musik, so lieb und süß,
Daß sie nachging Ton und Zeichen,
Schauend, wer da komm und grüß.

Heimchen warns, die da im Dämmer
Pflegten, was von Riesen kam,
Ilsa wählte Stab und Lämmer
Und versprach, hier treu und zahm
Heimchenart und Brauch zu frommen,
Wo die Jugend ohne Grenz,
Und nicht mehr zu Tag zu kommen,
In die Aue, in den Lenz.

Silber, Gold und Edelsteine,
Warn da Blüte, Baum und Blatt,
Endlos strahlt der Schatz im Schreine
Dämmrig an der Sonne Statt,
Von dem nahen Krinnelsloche
Gab man Nixen ihr zum Spiel,
Doch die Maid vom Clidenjoche
Träumt vom Winde viel zu viel.
 

 

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Schließlich gab man ihr ein Stückchen
Von des Himmels Lichtgesang,
Als wärs Lebenswassers Schlückchen,
Saß sie stets im Grottengang,
Bauern kamen in den Stollen,
Da sie hell und weise hieß,
Und mit ihrem guten Wollen
Gab sie Rat in dem Verlies.

Doch wo Welt ist und Geschichte,
Ist auch dem Versucher Raum,
Und des Godaminsteichs Nichte
Mischte sich in Ilsas Traum,
Und sie brach den Bann des Riffes
Und hieß Ilsa frei zu gehn,
Menschenschicksal, Ilsa griff es
Mit Verheißung und Gesehn.

Kommt ein junges Weib gelaufen,
Ists der Mannswelt rasch bekannt,
Und im Romberg-Riesenhaufen
Ward darob ein Kerl entbrannt,
Sie zu freien und zu führen,
Sie zu reihen ins Geschlecht,
Und den Wunsch nur noch zu schüren,
Hat die Absag sich erfrecht.

Lieb wird hart und Lieb wird bitter,
Kommt sie näher nicht dem Ziel,
Bald mit Hagel und Gewitter,
Jäh der Ries ins Auland fiel,
 

 

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Da sie weidend in den Sprengel
Trat, da ihm Gewalt und Macht,
Blieb zurück ihr guter Engel,
Und sie sank in Bann und Acht.

So haust sie bis heut in Schrunden,
Draus dich narrt ein feines Licht,
Und der Bann wird überwunden
Erst am Ende der Geschicht,
Wenn die Heimchen wiederkommen
Und noch einmal falln die Ries,
Und den Heiden wie den Frommen
Leuchtend blaut das Paradies.
 

 

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DÖBRITZER HÖHLEN
Bei Döbritz muß im Riffgestein
So mancher Traum verborgen sein,
Hier gruben in der Altsteinzeit
Die Jäger ihre Zeichen ein.

Das Hochplateau gemach beschreit,
Der Feldrand sei dir Spur und Leit,
Dann durch die Büsche nach dem Grat,
Bis senkenhin sich Dornicht reiht.

Zur Wüsten Scheuer zieht der Pfad,
Bescheidnes Haus mit Keil und Spat,
Doch Sehnsucht, die jahrtausendalt,
Lockt dich mit Hall und Runenrat.

Hier wird dir selbst im Sommer kalt,
Luft fächelt durch Gesims und Spalt,
Was war, scheint hier nicht abgetan
Und redsam raunt der Seelenwald.

Ob Weisheit dich umsingt, ob Wahn,
Du weißts nicht, doch das Wabern mahn
Dein Herz, daß unser Mühn im Licht
Nur einen Strom durchmißt im Kahn.

Hier gilt ein andres Eich-Gewicht,
Hier macht kein Dämmer Tag zunicht,
Hier haucht sich Gott mit Sternenschein
Und zeigt dir deine kurze Sicht.
 

 

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II

Ein Luftzug aus dem Karstgelaug,
Verriet dem Forscher in dem Jahr,
Da Deutschland wund doch fruchtbar war,
Daß hier ein Hort zur Einkehr taug.

Er fand den Grottenflur zum Knie,
Mit Feuerstein und Knochenzeug,
Herdstelle in gewundner Beug
Wo noch des Rauchfangs Symphonie

Der Wind zu spieln weiß, der sich fängt
In Pfeifen, glatt im mürben Karst,
Doch aus der Asche, drein du starrst,
Kein Flämmchen Hand und Ärmel sengt.

Manch Tier, in Tafeln eingeritzt,
Wildpferd, Steinbock und Moschusochs,
Hier wird der Kult des großen Bocks
Lebendig und das Aug, das blitzt

Dem Jäger, der nach langer Kar
Die Beute späht am schroffen Hang,
Und heimschafft stolz im Dankgesang,
Was ein Geschenk der Götter war.

Hier hat die Kunst am Totem teil,
Denn mag das Heim bescheiden sein,
So treten doch die Ahnen ein
Und schirmen es mit Mut und Heil.
 

 

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III

Gerdgrotte heißt der dritte Stern
In Mosaik von Holdersheim,
Erweck auch ihn im rechten Reim
Und deute in der Hut des Herrn.

Wer einst den Ger, mit Müh gefügt
Und reich verziert mit Bann und Glück,
Auf Fahrten trug und reich zurück,
Der Prüfung jeder Zeit genügt.

Denn nicht wer mit Motor und Funk
Zu Leibe rückt dem Schicksalsbann,
Erweist sich als der wahre Mann,
Schafft Neid dem Grottenolm-Geunk.

Im Schlichten und im Ursymbol
Wacht auch die Größe des Geschlechts,
Und die Musik des Gergefechts
Weiht tausend Jahr die klamme Hohl.

Die Waffe, die dem Manne frommt,
Krönt auch den Traum in dieser Schweiz,
Drum nicht mit höchster Rühmung geiz,
Wenn hohen Muts der Krieger kommt.

Er schreitet durch die Schattenwelt
Als Rufer nach dem Schöpfungsschmerz,
Und gleichst du ihm im deutschen Herz,
Dir auch sein alter Herd gefällt.
 

 

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IV

Du kommst zum Grottengang der Urd,
Zum Heiligtum der Mütterwelt,
Wo Mannesstolz und Himmel fällt,
Da bleibt der Mythos der Geburt.

Dies ist der reichste Höhlenraum,
Denn alle Schöpfung kehrt zum Quell,
Zwar sind verrottet Holz und Fell,
Doch was von Stein, bewahrt den Traum.

Auch Knochen und der Schädel Rund
Sind unverletzt der Zeit bewahrt,
Du stehst am Pol der langen Fahrt
Und glücklich vor dem reichen Fund.

Die einst am Herde Mahl und Mär
Gepfegt der strengen, weisen Norn,
Hat Yggdrasil einst auserkorn,
Zu künden, was da war und wär.

Drum Rat, wenn sich der Mann verirrt,
Sei dorten, wo man flicht und spinnt,
Seidkundig ist das Weibsgesind,
Das Filz und Knäul zum Pfad entwirrt.

Auch unsern Labyrinthen sei
Hier Ausgang und ein reifres Los,
Liguster blüht im Runsenmoos
Und gibt dich grünen Wäldern frei.
 

 

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V

Eh du dich wendest von dem Riff,
Dein helles Aug den Felsen triff,
Der weithin ragt als Drachenzahn
Mit schroffem Hang und scharfem Schliff.

Ins Saaleland führt deine Bahn,
Der aufgereckte Weiser mahn,
Nur eingedenk des Grottenrats
Sollst du den Wassergeistern nahn.

Was raunte dir aus Schrund und Schlatz,
Erläutert Schühly dir aus Graz,
Der jedes Kräutlein hegt und kennt,
Was du erbatst, er kam und tat's.

So rüste dich, der Himmel brennt,
Und wer heut noch nicht ausgepennt,
Der ist gewiß kein Wandersmann,
Der Wunder in den Wäldern fänd.

Tannhusers Land hält dich in Bann,
Manch Schwelle überschreit im Tann,
Die Ehrfurcht heischt dem jungen Geist,
Der frühtags kommt und schauen kann.

Die Bilder, die du Gott entleihst,
Durchplätschert eine Quelle meist,
Dazu, was dir der Grünling pfiff,
Und was die Gabelweihe preist.